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Darwins Alptraum- Raubau an der Natur

Der Victoriasee

Der Victoriasee ist der größte der drei afrikanischen Grabensee,
wenngleich er mit maximal 90m Tiefe der flachste ist.

Evolutionsbiologisch ist er wohl einer der Interessantesten Flecken der Erde.
Vor 12.000 Jahren gänzlich trocken gefallen, entwickelten sich dennoch 600 Arten,welche bislang nachgewiesen wurden.
Das heißt, dass sozusagen in diesem See eine Evolution im Turbomodus ablief und auch noch abläuft.

Das, was dort stattfindet, wird mittlerweile als Darwins Albtraum beschrieben.

1950-1960 wurde der bis zu 2m lange und bis zu 180kg schwere Nilbarsch -Lates niloticus- in den See eingebracht.
Mit der Argumentation: "Die Wirtschaft ankurbeln zu wollen und den Menschen am See eine neue Nahrungsgrundlage zu schaffen."
Nun passierte fast 20 Jahre lang nichts, doch dann explodierte der Bestand der Nilbarsche förmlich.
Viele der endemisch im See vorkommenden Arten wurden ausgerottet, da der Lates sie leicht erbeuten konnte.
Von den damals 120 räuberisch lebenden Arten leben heute nurnoch 5 Arten;
und selbst die größte davon, Harpagochromis sp. Orange Rock Hunter ist auf ein wenige Quadratmeter messenden Fleck im See zurückgewichen.

Die einheimischen Fischer mit ihren kleinen Booten können die großen Nilbarsche nicht überwältigen, daher versuchen sie wie früher, kleine Fischarten zu erbeuten.
Da Diese sich aber bis in die verwinkelten Felszonen zurückgezogen haben, mussten sich auch die Fischer anpassen.
So verlegten sie sich auf die Gift- Fischerei.
Es ist verständlich, dass diese Technik das Seewasser extrem belastet und so die Fische stark schädigt.

Der Nilbarsch wird mittlerweile kommerziell genutzt und mit großen Kuttern stark befischt.
Fast jedes Filet was in deutschen Kühltruhen mit der Aufschrift „Nilbarsch“ liegt, kommt aus dem Victoriasee.

Ein Problem ist auch die Wasserhyazinthe.
Diese bildet mittlerweile so dichte Wiesen auf dem See,das nicht mal mehr Fischkutter die Durchfahrt wagen können.
Diese schluckt noch das Sonnenlicht und verhindert auch einen Sauerstoffaustausch mit dem Wasser.
So ersticken viele Arten des Freiwassers, andere müssen ihre Nahrungsgewohnheiten ändern und sich andere Lebensräume erschließen.

Auch die zusehende Verlandung des Sees ist ein großes Problem.
Da die Einheimischen den Nilbarsch nicht einfach in der Sonne trocknen können, müssen sie ihn räuchern.
Dazu müssen sie die Vegetation um den See abholzen, das wiederum hat zur Folge, dass die umliegende Landschaft nicht mehr von Wurzelwerk gehalten wird.
Bei starken Regenfällen wird so sehr viel Sediment in den See geschwemmt und der See wird immer kleiner, bis er schließlich trocken fällt.

Man sieht also, es ist allerhöchste Zeit, etwas dagegen zu unternehmen.
Das Ökosystem am Victoriasee ist so geschädigt, dass eine Genesung eher unwahrscheinlich ist und die Arten auf Dauer wohl nur im Aquarium erhalten werden können.
Da sind dann verantwortungsvolle und interessierte Aquarianer gefragt, die das Projekt unterstützen und dabei mithelfen.

Wasser-Landexoten.de 2012

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